Lernen · Kapitel 6 von 6

Best Practices

Workflows kombinieren, anpassen und KI-Ergebnisse prüfen.

5 min Lesezeit

Mehrere Skills kombinieren

Die meisten juristischen Mandate passen nicht in einen einzelnen Arbeitsablauf. Eine M&A-Transaktion umfasst NDAs, Gesellschaftsdokumente, Arbeitsverträge und Datenschutzbewertungen. Ein SaaS-Deal erfordert eine Vertragsprüfung gefolgt von einer Kontrolle des Auftragsverarbeitungsvertrags. Skills sind dafür gemacht, verkettet zu werden.

Sequenzielle Verkettung. Führe einen Skill aus, prüfe die Ergebnisse und wende dann den nächsten an. Bei einem Akquisitionsziel könntest du mit dem NDA-Prüfungs-Skill für die Geheimhaltungsvereinbarung beginnen, zum GmbH-Gründungs-Skill wechseln, um die Gesellschaftsstruktur zu verifizieren, und mit dem Arbeitszeugnis-Skill die Personalakten der Schlüsselpersonen abschließen. Sage deinem KI-Agenten, wenn du wechselst: “Wende jetzt den GmbH-Gründungs-Skill auf diesen Gesellschaftsvertrag an.”

Komplementäre Paarung. Manche Skills ergänzen sich natürlich. Nach einer SaaS-Vertragsprüfung wendest du den Auftragsverarbeitungs-Skill auf die begleitende AVV an --- der erste Skill kann Datenschutzbedenken aufzeigen, die der zweite vertieft untersucht. Nach einer Arbeitsvertragsprüfung nutzt du den Arbeitszeugnis-Skill, um abzugleichen, ob das Zeugnis mit den vertraglichen Bedingungen übereinstimmt.

Einen Mandats-Workflow aufbauen. Für wiederkehrende Mandatstypen dokumentierst du die Skill-Reihenfolge, der dein Team folgen soll. Eine Standard-Technologietransaktion könnte immer in dieser Reihenfolge ablaufen: (1) NDA-Prüfung, (2) SaaS-Vertragsprüfung, (3) AVV-Prüfung, (4) Compliance-Check. Das schriftlich festzuhalten verwandelt einzelne Skills in einen wiederholbaren Kanzleiprozess.

Skills an deine Kanzlei anpassen

Bibliotheks-Skills sind Ausgangspunkte. Jede Kanzlei hat eigene Standards, bevorzugte Formulierungen und mandantenspezifische Anforderungen. Die Anpassung ist der Punkt, an dem Skills ihre volle Stärke entfalten.

Forken und anpassen. Lade einen Skill aus der Bibliothek herunter und erstelle die Version deiner Kanzlei. Füge Schritte hinzu, die eure internen Standards widerspiegeln --- wenn eure Kanzlei etwa in Lieferantenverträgen immer eine bestimmte Haftungsobergrenze prüft, mache das zu einem expliziten Schritt.

Mandantenpräferenzen einbetten. Wenn ein wichtiger Mandant bestimmte Klauselformulierungen verlangt oder feste Vorgaben zur Risikotoleranz hat, baue diese in eine mandantenspezifische Skill-Variante ein. Ein NDA-Prüfungs-Skill für Mandant A könnte enthalten: “Vertraulichkeitsdauer unter fünf Jahren markieren --- Mandant A verlangt gemäß seiner Beschaffungsrichtlinie eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren.”

Interne Referenzen hinzufügen. Verweise Schritte auf die Muster-Dokumente, Klauseldatenbanken oder internen Leitfäden deiner Kanzlei. Ein Schritt könnte lauten: “Haftungsbeschränkung mit unserer Standardposition vergleichen (siehe Kanzlei-Muster-NDA v4.2, Klausel 8).” Der KI-Agent greift nicht auf eure internen Systeme zu, aber der Anwalt, der den Skill ausführt, weiß genau, wo er nachschlagen muss.

Anpassungen versionieren. Verfolge Änderungen an Kanzlei-Skills in Git oder einem anderen Versionierungssystem. Wenn eine regulatorische Änderung ein Update erfordert --- ein neues Urteil zur Durchsetzbarkeit von Wettbewerbsverboten, eine DSGVO-Durchsetzungsentscheidung, die Best Practices verändert --- aktualisierst du den Skill einmal, und jede zukünftige Nutzung berücksichtigt die Änderung. Die Versionshistorie zeigt genau, was sich wann geändert hat.

KI-Ergebnisse qualitätsprüfen

KI-gestützte Analyse ist schnell und strukturiert. Sie ist nicht unfehlbar. Jedes Skill-Ergebnis erfordert eine fachliche Prüfung, bevor es in die Mandantenberatung einfließt.

Gesetzesverweise verifizieren. KI-Modelle können falsche Paragraphen zitieren, aufgehobene Vorschriften referenzieren oder ähnliche Normen aus verschiedenen Rechtsordnungen verwechseln. Wenn die Ausgabe § 307 BGB referenziert, überprüfe, ob die Vorschrift korrekt zitiert ist und die Analyse der aktuellen Rechtslage entspricht. Das dauert Sekunden und verhindert peinliche Fehler.

Gegen aktuelle Rechtsprechung abgleichen. Skills referenzieren Gesetze und etablierte Grundsätze, aber das Recht entwickelt sich weiter. Ein Skill, der im Januar geschrieben wurde, berücksichtigt möglicherweise nicht eine BGH-Entscheidung vom März, die die Auslegung einer Schlüsselbestimmung ändert. Frage dich nach der Anwendung eines Skills: Hat sich seit dem letzten Update des Skills etwas geändert? Prüfe das Versionsdatum im Frontmatter.

Auf halluzinierte Details achten. KI-Modelle erzeugen manchmal plausible, aber erfundene Details --- eine nicht existierende Gerichtsentscheidung, einen leicht falschen Schwellenwert, eine Frist, die in einer anderen Rechtsordnung gilt. Je spezifischer die Behauptung, desto wichtiger ist die Verifizierung.

KI strukturiert, du entscheidest. Der Skill stellt sicher, dass nichts übersprungen wird. Die KI erstellt eine gründliche Erstanalyse. Aber die abschließende Bewertung --- die Risikoeinschätzung, die strategische Empfehlung, die Mandantenberatung --- liegt bei dir. Behandle die Ausgabe wie ein gut strukturiertes Mitarbeiter-Memo, nicht wie ein fertiges Produkt.

Arbeit mit Mandanten

Skill-Ergebnisse sind ein leistungsfähiges internes Werkzeug. In Rohform sind sie nicht mandantenreif.

Ergebnisse als Grundlage für Vermerke nutzen. Die strukturierte Analyse bietet ein solides Fundament. Ordne sie in das Vermerk-Format deiner Kanzlei um, ergänze deine fachliche Einschätzung und passe die Sprache an den Kenntnisstand des Mandanten an. Ein Syndikus bei einem DAX-Unternehmen erwartet eine andere Darstellung als ein Gründer, der seine erste GmbH aufbaut.

Niemals rohe KI-Ausgabe an Mandanten senden. Auch wenn die Analyse inhaltlich korrekt ist --- unbearbeiteter KI-Output enthält nicht das fachliche Urteil, das Kontextbewusstsein und den Ton, den Mandanten von ihren Anwälten erwarten. Er kann zudem Absicherungsformulierungen oder strukturelle Artefakte enthalten, die die Glaubwürdigkeit untergraben.

Skills zur Mandantenkommunikation nutzen. Die schrittweise Struktur einer Skill-Ausgabe kann helfen, deine Analyse Mandanten zu erklären. “Folgendes haben wir geprüft und in jedem Stadium festgestellt” durchzugehen schafft Vertrauen in die Gründlichkeit deiner Prüfung.

Eine kanzleiweite Skills-Bibliothek aufbauen

Wenn dein Team Skills einführt, wird Organisation wichtig.

Nach Rechtsgebiet ordnen. Erstelle eine Ordnerstruktur, die die Abteilungen deiner Kanzlei widerspiegelt: Vertragsrecht, Arbeitsrecht, Gesellschaftsrecht, Datenschutz, Compliance. Jede Praxisgruppe pflegt die für ihre Arbeit relevanten Skills.

Skill-Verantwortliche benennen. Jeder Skill sollte einen Verantwortlichen haben --- einen erfahrenen Anwalt, der für die Aktualität zuständig ist. Wenn sich die Rechtslage ändert, aktualisiert der Verantwortliche den Skill. Wenn ein Teammitglied einen Randfall identifiziert, den der Skill nicht abdeckt, entscheidet der Verantwortliche, ob er ergänzt wird.

Versionieren und regelmäßig überprüfen. Setze einen vierteljährlichen Prüfzyklus an. Der Skill-Verantwortliche prüft, ob aktuelle Gesetzesänderungen, Gerichtsentscheidungen oder regulatorische Leitlinien Anpassungen erfordern. Dokumentiere die Prüfung auch dann, wenn keine Änderungen vorgenommen werden --- das schafft einen Prüfpfad, der zeigt, dass der Skill als aktuell bewertet wurde.

Standortübergreifend teilen. Wenn deine Kanzlei an mehreren Standorten arbeitet, bieten Skills eine Möglichkeit, die Methodik zu vereinheitlichen und gleichzeitig lokale Anpassungen zuzulassen. Ein Basis-NDA-Prüfungs-Skill kann rechtsraumspezifische Varianten für Deutschland, Österreich und die Schweiz haben.

Nutzung nachverfolgen. Beobachte, welche Skills dein Team tatsächlich verwendet. Ein Skill, den niemand einsetzt, braucht entweder bessere Schulung, deckt einen Workflow ab, der im Team nicht vorkommt, oder muss verbessert werden. Nutzungsdaten helfen dir, in die Skills zu investieren, die den größten Mehrwert liefern.

Wenn Skills nicht ausreichen

Skills eignen sich hervorragend für strukturierte, wiederholbare Analysen. Manche Mandate erfordern einen anderen Ansatz.

Komplexe grenzüberschreitende Mandate. Ein Skill, der für deutsches Recht getaggt ist, berücksichtigt nicht die Wechselwirkungen zwischen deutschem, EU- und Drittstaaten-Recht bei einer grenzüberschreitenden Datenübermittlung. Nutze bei Mandaten, die mehrere Rechtsordnungen umfassen, Skills als Ausgangspunkt für jede Jurisdiktion, aber verlasse dich auf Spezialisten für die Bewertung der Wechselwirkungen.

Neue Rechtsfragen. Wenn es keine etablierte Methodik gibt --- ein erstmaliger KI-Haftungsstreit, ein unerprobter regulatorischer Rahmen, eine neuartige Gesellschaftsstruktur --- kann ein Skill die Analyse nicht leiten, weil die Analyse noch nie durchgeführt wurde. Skills kodifizieren bestehendes Wissen. Sie erzeugen keine neue Rechtstheorie.

Hochrisiko-Rechtsstreitigkeiten. Prozessvorbereitung, Zeugenbefragungsstrategien und Vergleichsverhandlungen erfordern Einschätzungen, die von Sachverhalten, Persönlichkeiten und prozessualen Gegebenheiten abhängen, die kein Skill erfassen kann. Skills können bei abgegrenzten Teilaufgaben helfen --- die Prüfung eines streitgegenständlichen Vertrags, die Kontrolle einer gesetzlichen Frist --- aber die Prozessstrategie bleibt vollständig in Menschenhand.

Mandate mit kreativer Gestaltung. Steuerplanung, komplexe Joint Ventures und maßgeschneiderte Finanzierungsstrukturen erfordern querdenkerische Ansätze, die aus Erfahrung und Kreativität entstehen. Ein Skill kann prüfen, ob die gewählte Struktur bestimmten Anforderungen entspricht, aber er erfindet die Struktur nicht.

Das Ziel ist nicht, die anwaltliche Praxis zu automatisieren. Es ist, die Teile zu automatisieren, die von Struktur und Konsistenz profitieren --- damit du deine Zeit für die Arbeit aufwenden kannst, die Expertise, Urteilsvermögen und Kreativität verlangt.

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